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KRITIK AN ARTHUR JANOV UND AN DER PRAXIS DER PRIM�RTHERAPIE

 

Wer die Webseite von Dr. Janovs Primal Center (www.primaltherapy.com) besucht, findet dort viele positive Kommentare von Patienten dieses Instituts. Es gibt aber auch Leute, die offensichtlich schlechte Erfahrungen mit Arthur Janov bzw. seinen Therapeuten oder Zentren gemacht haben. So �u�erte sich Peter T�pfer in einem Brief* an "Utopie1  sehr negativ zu seinen Erfahrungen in den 1980er Jahren an Janovs damaligem Insitut in Paris (existiert nicht mehr). Es sei eine "katastrophale Erfahrung" f�r ihn gewesen, und es habe "eklatante Misserfolge" gegeben. Janov hatte sich dann offenbar relativ abrupt entschlossen, wieder zur�ck in die Staaten zu gehen und hinterlie� nach T�pfers Angaben eine Schar frustrierter Patienten, die ihrem Unmut und ihrer Entt�uschung in einem Artikel in einem franz�sischen Magazin Luft machten. Ich erinnere mich, wie damals im SPIEGEL eine Anzeige Dr. Janovs erschienen war, in der es sinngem�� hie�, Dr. Janov freue sich, die Er�ffnung seines europ�ischen Prim�rinstituts in Paris, Frankreich, bekanntgeben zu d�rfen. Was wie die systematische Ausdehnung seines Prim�rtherapie-Angebots auf Europa aussah, hatte seinen realen Grund in den Turbulenzen in Janovs Privatleben: Er hatte sich in eine junge Franz�sin (seine jetzige Frau France) verliebt, die sich an seinem Primal Institute in Los Angeles hatte behandeln und zur Therapeutin ausbilden lassen. Die Folgen: Scheidung von seiner Frau, Exodus aus dem Primal Institute, das er seiner Frau als Bestandteil der Scheidungsvereinbarungen �berlie�, und die Notwendigkeit, woanders neu anzufangen.

Vor kurzem fand ich auf der Webseite von Steve Hein unter http://eqi.org/janov.htm einen Artikel von Steve Hein, in dem er die Erfahrungen eines Mannes wiedergibt, der in den sp�ten 1990er Jahren Patient an Janovs Primal Center in Venice, Kalifornien, war. Ich �bersetze diesen Artikel aus dem Englischen und ver�ffentliche ihn hier mit Erlaubnis des Autors. Meinen eigenen Kommentar (*) f�ge ich hinzu, wo ich es f�r angebracht halte. Diese Kommentare finden Sie am Schluss des Artikels.

 *Brief siehe Seitenschluss

 

Steve Hein:

Warnende Anmerkungen zu Arthur Janov und dem Janov-Institut

(Diese Notizen wurden 2002 geschrieben)

Arthur Janov ist der Autor eines Buches, �ber das ich mir ausf�hrlich Notizen machte: The Feeling Child

Im Juli 2002 traf ich jemanden, der in den sp�ten 1990ern zwei Jahre in Kalifornien verbracht hatte und durch Janovs prim�rtherapeutische Behandlung gegangen war. Er sagte mir Dinge, die einige meiner Bedenken �ber Janov bekr�ftigten und viele neue Bedenken hervorriefen. Bevor ich diese Person traf, die ich Antonio nennen werde, hatte ich eine hohe Meinung von Janov, dachte aber dennoch, dass er den Einfluss des Geburtsprozesses �bersch�tze. Antonio best�tigte, dass Janov zum Beispiel nicht viel �ber den Einfluss von Eltern auf Teenager redet. Er sagte, Janov glaube, dass ein Kind mit 10 oder 12 Jahren im Grunde f�rs Leben eingerichtet sei. Ich stimme dem nicht zu, da ich Leute getroffen habe, die sagten, alles sei im Grunde bestens gewesen in ihrem Leben bis zum Alter von 10 oder 12. Das ist die Zeit, als sie anfingen f�r sich selbst zu denken und ihre Eltern wirklich in Frage zu stellen.

Einige Leute sagten mir auch, dass sie bis zum Alter von 10 oder 12 "Papis kleine Prinzessin" waren. Dann begannen die ganzen Auseinandersetzungen und die negativen Gef�hle mehrten sich. Die emotionalen Bed�rfnisse nach F�rsorge, Verst�ndnis, Akzeptanz, Selbstkontrolle, Respekt und Freiheit wurden nicht erf�llt, was zu Depression und suizidalen Gef�hlen und Gedanken f�hrte.

Es folgt eine Zusammenfassung von Antonios Bedenken. Er bat mich, nicht seinen wirklichen Namen zu benutzen, da er eine Art gesetzlicher Vereinbarung und Verzichtleistung unterschrieben hatte und er, obwohl er jetzt in Europa lebt, immer noch Angst vor ihrer Reaktion hatte, falls sie das lesen sollten.

- Die Therapie sei ein bisschen zu sehr vereinfachend in dem Sinn, dass sie Gef�hlsarbeit betone, w�hrend sie die intellektuelle Reflexion �ber Gef�hle vernachl�ssige.*

- Sie seien intellektuell nicht so scharfsinnig gewesen, wie Antonio es gerne gehabt h�tte. Er sagte, manchmal seien sie nicht f�hig gewesen, sich mit komplexen Problemen zu befassen.

- Er habe in zwei Jahren Therapie �ber 20.000$ ausgegeben.

-Er habe sich ein bisschen ausgebeutet gef�hlt. Er sagte, es half ein wenig, aber man m�sse st�ndig und immer wieder zur�ckgehen. Er sagte, einige Leute gingen jede Woche zu mehreren Stunden Individualtherapie und mehreren Stunden Gruppentherapie.

- Damals habe die Einzeltherapie 110$ je Stunde gekostet. Die Gruppentherapie habe 70$ je Stunde gekostet.

- Er sagte, er sah dort Leute, die verzweifelt waren und in schlecht bezahlten Jobs f�r 10 Dollar die Stunde arbeiteten, damit sie die Therapie bezahlen konnten. Einige mussten sogar ihre H�user verkaufen, um die Therapie zu bezahlen.

- Er sagte, sie w�rden nicht mit Leuten verhandeln, die ein niedriges Einkommen haben. Sie seien sehr streng gewesen. Wenn die Leute das Geld nicht h�tten, m�ssten sie sofort mit der Therapie aufh�ren.**

- Die ersten paar Wochen haben 6.000$ f�r jeden gekostet.

- Wenn man mit der Therapie anfing und die 6.000$ f�r die drei Wochen Intensivtherapie zahlte, dann die Therapie abbrach, musste man weitere 2.000$ bezahlen, um sich einem erforderlichen zweiw�chigen Intensivprogramm zu unterziehen.

- Er sagte, einige Mitglieder des Personals schienen selbst eine Menge Probleme zu haben, obwohl sie vielleicht seit 10 Jahren in Therapie waren. Ein Mitglied des Personals war besonders grob zu den Klienten, was Antonio veranlasste, sich �ber das Management des Instituts zu wundern.

- Man habe  viele Anspr�che erhoben,was die Therapie betrifft, beinahe als sei sie ein Heilversprechen oder eine Wunderkur. Antonio glaubte nicht, dass die Therapie den Anspr�chen gerecht wurde.

- Er sagte, viele Leute betrachteten die Therapie wie eine Religion, als sie mit ihr begannen. Sie kamen mit sehr hohen und oft unrealistischen Erwartungen. Aufgrund der Anspr�che, die in Janovs B�chern erhoben wurden, und der pers�nlichen Geschichten, die in seinen B�chern geschildert werden, in Verbindung mit Janovs Theorien �ber die Verkn�pfungen zwischen dem emotionalen Zustand und dem K�rper war Antonio �berrascht, als er Leute sah, die �bergewichtig waren und Brillen trugen. Er erwartete, dass alle in nahezu perfekter k�rperlicher Verfassung seien.***

- Antonio sei auch �berrascht gewesen, als er Leute sah, die dort seit vier oder mehr Jahren waren. Ihm wurde der Eindruck vermittelt, dass f�r die Arbeit mit Prim�rtherapie ein Maximum von zwei Jahren erforderlich sei.

- Er sagte, es sei ein wenig wie ein Kult, aber er w�rde nicht so weit gehen, es so zu nennen, weil man ja gehen k�nne. Dennoch - als ich Antonio zuh�rte, erinnerte es mich an die Scientologen.

- Wenn man die Marketing-Brosch�ren gelesen habe, habe  man den Eindruck bekommen, man erhalte sehr wissenschaftliche elektronische Gehirn-Scans und andere objektive Messungen. Aber als Antonio nachgefragt habe, wo denn diese Dinge seien,habe er sehr ausweichende Antworten bekommen. Es sollte auch ein wichtiges Mitglied des Janov-Instituts da sein, ein Professor aus D�nemark, der angeblich mit der kartographischen Darstellung des Gehirns arbeitete, wie es in den Brosch�ren hie�, aber in den zwei Jahren, die Antonio dort war, sah er diesen Professor nie und ihm wurde nie die Chance auf eine Gehirnuntersuchung angeboten. Einer von Antonios Mitbewohnern sagte ihm, als jemand Frau Janov gefragt hatte, wurde sie abwehrend und sagte etwas wie "Wenn es dir hier nicht gef�llt, kannst du gehen." ****

- Er dachte, die Therapeuten seien ein bisschen naiv und leichtgl�ubig, h�tten aber grunds�tzlich gute Absichten. Er sagte, sie verg�tterten die Janovs beinahe. Einer der Therapeuten sagte einmal: "Arthur Janov hat �berhaupt keine Abwehr mehr."

- Die Therapeuten schienen auch ein wenig zu streng von den Janovs kontrolliert zu werden. Man ermutigte Therapeuten nicht, viel von ihrem eigenen Urteilsverm�gen oder Stil auf die Behandlung individueller Patienten anzuwenden.*****

- Er h�rte viele Dinge, die ihn skeptisch machten hinsichtlich der Erfolgsgeschichten, die in Janovs B�chern gro� propagiert werden.

- Er sagte mir, so um 1975 habe R.D. Rosen ein Buch geschrieben namens Psychoblabla oder so. Sp�ter fand ich heraus, dass er wahrscheinlich von dem Buch "Psychobabble: Fast talk and quick cure in the age of feeling" sprach.

- Er sagte auch, dass ein paar Leute Janovs Ideen mitgenommen und etwas angefangen hatten, das "Feeling Therapy" hie�, und diese Leute seien wirklich Ausbeuter gewesen. �ber sie sei ein Buch geschrieben worden mit dem Titel "Therapy Gone Mad."

-Einmal sagte er zu einer seiner Therapeutinnen, dass sie w�tend und defensiv zu sein scheine, und sie habe es ver�rgert geleugnet! Das erinnert mich, wie wichtig es ist, dass die Person, die versucht einer anderen zu helfen, ehrlich und authentisch mit ihren Gef�hlen ist. Es gemahnt mich auch, dass eine Sache, die Menschen wollen und brauchen, die Gewissheit ist, dass sich jemand wirklich um sie sorgt. Sie wollen nicht einfach Techniken.******

- Er sagte, wenn man Dinge anzweifelte, erhielt man gew�hnlich eher defensive Standard-Antworten als wirkliche Antworten.

- Er sagte, die Therapeuten sagten oft arrogante Dinge wie: "Du kannst mich nicht verletzen." Aber er glaubte nicht, dass die Therapeuten ihre wirklichen Gef�hle zeigten.

- Wenn er dort mit anderen Klienten �ber seine Bedenken geredet habe, verteidigten sie oft die Janovs. So entschuldigten sie vielleicht das Verhalten einer Therapeutin, indem sie sagten. "Das macht sie nur, um Gef�hle in dir auszul�sen." Das erinnert mich an den Lehrer, dessen Sch�ler ihn bei einem Fehler ertappen, und der dann sagt: "Ich wollte nur sehen, ob ihr aufpasst"!

-Eines der positiven Dinge, die er �ber seine Zeit dort sagte, war, dass man alles sagen konnte, oder beinahe alles. Dennoch habe er einmal geh�rt, dass einer der Direktoren gesagt habe, bestimmte Worte seien nicht erlaubt, wenn sie an die Therapeuten gerichtet seien.

Ich fragte ihn, wie zufrieden er mit der Therapie insgesamt sei. Er sagte, w�hrend er dort war, war sie okay, aber in dem Moment, als er ging, half sie ihm nicht mehr.Tats�chlich f�hlte er sich schlechter zu einem gewissen Zeitpunkt. Er sagte, sie zerbrechen deine Abwehr aber sie helfen dir nicht wirklich, dein Problem zu l�sen oder zum wirklichen Kern deines Problems zu gehen. Er sagte, sie vernachl�ssigen die Verbindung zwischen deinem Intellekt und deinen Emotionen.*******

- Man habe eine Menge Zeit auf emotionale Freisetzung verwendet. Aber man habe nicht genug Zeit darauf verwendet zu verstehen, woher die Emotionen kamen oder wie man dauerhafte Ver�nderungen zustande brachte.

- Er sagte, die Therapie habe einigen Leuten tats�chlich geholfen, sei aber im Allgemeinen nicht so hilfreich f�r hochgradig intellektuelle und kognitive Menschen gewesen.********

- Er sagte, einige Leute seien seit Jahren dorthin gegangen, in einem Fall sei ein Mann sogar seit mehr als 10 Jahren hingegangen und hane noch immer seine Wut freigesetzt und noch immer Unmut aus seiner Kindheit gef�hlt.

- Ich fragte ihn, ob er nach seiner Zeit dort mehr Mitgef�hl f�r Kinder habe. Er sagte nein. Es sei weniger. Und zwar deshalb, weil er voller Groll dar�ber sei, dass er so viel Zeit dort verbracht hatte und es ihm nichts gebracht habe. Er wollte nicht einmal dar�ber nachdenken, wie sich Kinder f�hlten. Wenn er stattdessen mit einem Kind zusammen und �rgerlich und ungeduldig mit dem Kind war, war er versucht, das Kind zu schlagen, genau wie er von seinem Vater geschlagen worden war.

- Ich fragte ihn, ob ihm die Therapie dauerhafte F�higkeiten mitgegeben habe, die er seit seiner Abreise genutzt habe. Er sagte, dies sei nicht der Fall. Er sagte, tats�chlich schienen einige Leute verantwortungsloser zu sein als zu Beginn der Therapie. Er sagte, zu viel werde fr�hen Kindheitserlebnissen zugeschrieben. Einige Leute benutzten, was sie gelernt hatten, um in der Falle festzustecken, ihren Eltern die Schuld zu geben.

- Er sagte, man brachte ihnen nicht bei, wie man verantwortungsvoll mit seinen Gef�hlen umgeht. Man sagte ihnen nur, wie man seine negativen Gef�hle freisetzt. Er sagte, man lehrte sie, dass nahezu alles, das ihnen in der Gegenwart widerfuhr, Kindheits-Reaktionen ausl�se, es sei denn, sie gingen oft genug durch den Geburtsprozess. Er sagte, das k�nne hundertmal sein, aber dann seien sie lebenslang geheilt. Aber er fand, dass das in Wirklichkeit nicht passiert.

- Antonio und einige andere seien besorgt �ber Janovs Werte gewesen. Es habe ihn zum Beispiel gest�rt, dass Janov immer erster Klasse flog und in einem Multi-Millionen-Dollar-Haus in Malibu wohnte, in einem teuren Vorort von Los Angeles. Einige Leute seien augenblicklich abgereist, als sie herausfanden, wie Janov lebte. Antonio erz�hlte mir dar�ber, was Janov in seinem Buch "Prisoners of Pain" geschrieben hatte. Janov hatte geschrieben, dass Autos grunds�tzlich nur f�r Bef�rderung gebraucht werden und dass die Leute dennoch teuere, Benzin fressende Autos kaufen. Auf diese Weise verwendet man sie f�r den Versuch, andere Bed�rfnisse zu erf�llen, wie das Bed�rfnis, die eigene Individualit�t und das Niveau des Status, der Macht und Wichtigkeit auszudr�cken. Dann, als ich ging, fragte mich Antonio,welches Auto meiner Ansicht nach Janovs Frau fuhr. Ich tippte auf Mercedes oder BMW. Er sagte: " Nahe dran. Ein Jaguar-Kabriolett." *********

Ende des Steve Hein-Artikels

�bersetzung aus dem Englischen: Ferdinand Wagner

Kommentierte Ausz�ge aus dem Artikel:

- Die Therapie sei ein bisschen zu sehr vereinfachend in dem Sinn, dass sie Gef�hlsarbeit betone, w�hrend sie die intellektuelle Reflexion �ber Gef�hle vernachl�ssige.*

* Kommentar FW: Prim�rtherapie ist nun mal Gef�hlstherapie. Es geht darum, tief verborgene Feelings, Schmerzen, Einpr�gungen aufzusp�ren und aufzul�sen. Intellektuelle Reflexion ist kein Schl�sselmedium der Prim�rtherapie, sondern - als Einsicht - die nat�rliche Folge tiefer Gef�hlsarbeit. Ich muss hinzuf�gen, dass ich gerade ein Video des Primal Center angesehen habe (Referat von Frau Janov �ber Prim�rtherapie vor Patienten und Therapeuten) und unter dem Eindruck stehe, dass dort sehr wohl intellektuell reflektiert wird und der intellektuellen Einsicht angemessene Bedeutung beigemessen wird.

- Er sagte, sie w�rden nicht mit Leuten verhandeln, die ein niedriges Einkommen haben. Sie waren sehr streng. Wenn die Leute das Geld nicht h�tten, m�ssten sie sofort mit der Therapie aufh�ren.** 

** Kommentar FW: In seinem j�ngsten Buch Primal Healing schreibt Janov im Anhang "Was ist Prim�rtherapie?" Folgendes: ".....Wir sehen viel mehr Individuen aus der Arbeiterklasse als aus der Oberklasse. Es gibt Leute, die in ihren Autos lebten, um f�r die Therapie zu sparen, obwohl wir eine Stiftung haben, die bed�rftigen Patienten Therapie-Stipendien anbietet." Auf der aktuellen Webseite des Primal Centers werden Patienten zitiert, die anscheinend ein solches Stipendium erhielten und sich daf�r bedanken. Es scheint, dass sich die Dinge hier zugunsten mittelloser Patienten entwickelt haben.

- Er sagte, viele Leute betrachteten die Therapie wie eine Religion, als sie mit ihr begannen. Sie kamen mit sehr hohen und oft unrealistischen Erwartungen. Aufgrund der Anspr�che, die in Janovs B�chern erhoben wurden, und der pers�nlichen Geschichten, die in seinen B�chern geschildert werden, in Verbindung mit Janovs Theorien �ber die Verkn�pfungen zwischen dem emotionalen Zustand und dem K�rper war Antonio �berrascht, als er Leute sah, die �bergewichtig waren und Brillen trugen. Er erwartete, dass alle in nahezu perfekter k�rperlicher Verfassung seien.***

*** Kommentar FW: Leute, die eine Therapie machen wollen, haben in der Regel eine lange Leidensgeschichte hinter sich, die vielleicht schon im Mutterleib beginnt. Es ist mehr als naiv zu glauben, diese Menschen w�rden nach wenigen Monaten Behandlung perfekt "in Form" sein. Es kann sehr lange dauern, bis man an die eingepr�gten Schmerzen herankommt, die jemanden zum Beispiel veranlassen, st�ndig zu viel zu essen.

- Wenn man die Marketing-Brosch�ren liest, bekommt man den Eindruck, man erhalte sehr wissenschaftliche elektronische Gehirn-Scans und andere objektive Messungen. Aber als Antonio nachfragte, wo denn diese Dinge seien, bekam er sehr ausweichende Antworten. Es sollte auch ein wichtiges Mitglied des Janov-Instituts da sein, ein Professor aus D�nemark, der angeblich mit der kartographischen Darstellung des Gehirns arbeitete, wie es in den Brosch�ren hie�, aber in den zwei Jahren, die Antonio dort war, sah er diesen Professor nie und ihm wurde nie die Chance auf eine Gehirnuntersuchung angeboten. Einer von Antonios Mitbewohnern sagte ihm, als jemand Frau Janov gefragt hatte, wurde sie abwehrend und sagte etwas wie "Wenn es dir hier nicht gef�llt, kannst du gehen." ****

**** Kommentar FW: Der Professor aus D�nemark ist vermutlich Dr. Eric Hoffmann, der am Primal Center Ver�nderungen der Gehirnwellen-Aktivit�t bei Janov-Patienten untersucht hat und in Fachzeitschriften dokumentiert hat.

- Die Therapeuten schienen auch ein wenig zu streng von den Janovs kontrolliert zu werden. Man ermutigte Therapeuten nicht, viel von ihrem eigenen Urteilsverm�gen oder Stil auf die Behandlung individueller Patienten anzuwenden.*****

***** Kommentar FW: Die �berwachung der Therapeuten ist nach Janovs eigenen Angaben wirklich strikt. Alle Sitzungen werden aufgezeichnet und besprochen. Vermutlich ist das nur zum Vorteil der Patienten, da alle Therapeuten pers�nliche Schwachpunkte haben und zu ganz spezifischen Fehlern neigen.

-Einmal sagte er zu einer seiner Therapeutinnen, dass sie w�tend und defensiv zu sein schien, und sie leugnete es ver�rgert! Das erinnert mich, wie wichtig es ist, dass die Person, die versucht einer anderen zu helfen, ehrlich und authentisch mit ihren Gef�hlen ist. Es gemahnt mich auch, dass eine Sache, die Menschen wollen und brauchen, die Gewissheit ist, dass sich jemand wirklich um sie sorgt. Sie wollen nicht einfach Techniken.******

****** Kommentar FW: Unaufrichtigkeit von Therapeuten gegen�ber Patienten/Klienten ist eine Tods�nde. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand.

Ich fragte ihn, wie zufrieden er mit der Therapie insgesamt sei. Er sagte, w�hrend er dort war, war sie okay, aber in dem Moment, als er ging, half sie ihm nicht mehr.Tats�chlich f�hlte er sich schlechter zu einem gewissen Zeitpunkt. Er sagte, sie zerbrechen deine Abwehr aber sie helfen dir nicht wirklich, dein Problem zu l�sen oder zum wirklichen Kern deines Problems zu gehen. Er sagte, sie vernachl�ssigen die Verbindung zwischen deinem Intellekt und deinen Emotionen.*******

******* Kommentar FW: Es kann Jahre dauern, bis man zum "wirklichen Kern des Problems" vordringt. Das ist dann in erster Linie Aufgabe des Patienten. Der Therapeut/die Therapeutin hat ihm gezeigt, wie er das "Werkzeug Prim�rtherapie" zu seinem Nutzen einsetzen kann. Die langfristige Anwendung aber ist Sache des Patienten. Wenn  jemand nach zwei Jahren Prim�rtherapie beginnt, sich schlechter zu f�hlen, kann das bedeuten, das ein schwerwiegendes Trauma im Aufsteigen begriffen ist. So ist der Prim�rprozess nun mal. Das Dilemma ist, dass es kein weltweites Netz von Janov lizensierter Prim�rtherapeuten gibt. Wenn Patienten nach Europa zur�ckkehren, m�ssen sie sich hier jemand suchen, der/die sie unterst�tzen kann, oder sich mit "Telefontherapie" begn�gen.

- Er sagte, die Therapie half einigen Leuten tats�chlich, war aber im Allgemeinen nicht so hilfreich f�r hochgradig intellektuelle und kognitive Menschen.********

******** Kommentar FW: Es scheint mir f�r einen Therapeuten ungeheuer schwierig, einem "hochgradig intellektuellen" Menschen Zugang zu Gehirnzonen zu verschaffen, die F�hlen vermitteln, bzw. die alte schmerzvolle Feelings und Empfindungen von Lebensanfang und Kindheit speichern. Ich w�rde einem Intellektuellen raten: "�berlegen Sie es sich gr�ndlichst, ob sie die Therapie machen wollen. Es wird eine verdammt diffizile und langwierige Angelegenheit!"

- Antonio und einige andere waren besorgt �ber Janovs Werte. Es st�rte ihn zum Beispiel, dass Janov immer erster Klasse flog und in einem Multi-Millionen-Dollar-Haus in Malibu wohnte, in einem teuren Vorort von Los Angeles. Einige Leute reisten augenblicklich ab, als sie herausfanden, wie Janov lebte. Antonio erz�hle mir dar�ber, was Janov in seinem Buch "Prisoners of Pain" geschrieben hatte. Janov schrieb, dass Autos grunds�tzlich nur f�r Bef�rderung gebraucht werden und dass die Leute dennoch teuere, Benzin fressende Autos kaufen. Auf diese Weise verwendet man sie f�r den Versuch, andere Bed�rfnisse zu erf�llen, wie das Bed�rfnis, die eigene Individualit�t und das Niveau des Status, der Macht und Wichtigkeit auszudr�cken. Dann, als ich ging, fragte mich Antonio,welches Auto meiner Ansicht nach Janovs Frau fuhr. Ich tippte auf Mercedes oder BMW. Er sagte: " Nahe dran. Ein Jaguar-Kabriolett." *********

********* Kommentar FW: In einem fr�heren Buch (Das neue Bewusstsein-Primal Man) schreibt Janov in den Schlussbetrachtungen, der Prim�rmensch sei ein einfacher Geselle, habe wenig W�nsche, liebe Sch�nheit und Natur, ganz im Gegensatz zum Neurotiker, der sich immer weigern werde, "..individuelle Vorrechte und Privilegien zugunsten des Allgemeinwohls aufzugeben, weil er unbefriedigte Bed�rfnisse in sich herumtr�gt." Wenn ich mir Antonios Schilderung vor Augen f�hre, dann scheint es doch wirklich so, als w�rden die Janovs gr��ten Wert darauf legen, eben zu diesen Privilegierten zu geh�ren, die sich jeden erdenklichen Luxus ohne R�cksicht auf Umwelt und Allgemeinwohl leisten. Ich erinnere mich an einen Artikel eines ehemaligen Prim�rtherapeuten, der lange Zeit an Janovs Primal Institute (das jetzt seine Frau Vivian leitet) gearbeitet hatte. Dieser Artikel war in einem Diskussionsforum �ber Prim�rtherapie aufgetaucht. Der Autor - Curtis Knecht - beschreibt darin die Janovs als ganz gew�hnliche Leute - neurotisch und gierig.

Man fragt sich unweigerlich, wieviel von seiner Vision des Prim�rmenschen Janov - der ja in seinen B�chern �fters mit marxistisch-sozialistischem Gedankengut sympathisiert - in seinem eigenen Leben umsetzen kann. Bei aller Hochachtung vor Arthur Janov - aber Irgendwie wirkt er hier fast wie ein Dinosaurier, der zwar die Vision einer neuen Zeit entwirft und Mittel und Wege dorthin aufzeigt, der aber - was seine Lebensweise betrifft - offensichtlich gr��te Schwierigkeiten hat, eigene Schritte auf diesem Weg zu gehen. Und so bleibt er wie die meisten seiner Zeitgenossen Gefangener einer erdzerst�renden Epoche, deren �berbetont materialistisch-kapitalistischen (Ersatz-)Werte sich f�r die Zukunft vermutlich als untauglich erweisen. Was sich immer wieder als wahr erweist: Zwischen Theorie und Praxis tut sich eine Kluft auf, die es erst einmal zu �berwinden gilt!

 

++Der Brief (Email) Peter T�pfers:

Guten Tag!

Ich kenne die Seiten  seit l�ngerem und kannte auch die vorg�ngerseiten - alles sehr gut! Ich m�chte mich bei der gelegenheit bedanken! - auch bei denen, die Sie urheberrechtlich nicht verfolgen... Ich selbst hatte - noch bevor ich Ihr seite fand - ebenfalls einige janov-texte im netz ver�ffentlicht ( nationalanarchismus.org ).

........

"Zum Schluss m�chte ich noch einmal meine felsenfeste �berzeugung bekunden: Echte Prim�rtherapie gibt es nur bei Dr. Janov! Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Sollte jemand hier in Deutschland voll �berzeugt sein, bei irgendjemandem richtige Prim�rtherapie gemacht zu haben, so m�ge er/sie das kundtun."

Nun, bei mir verh�lt es sich so: Ich war in den 80er jahren kunde (ich sage bewu�t nicht "patient") an janovs "institut primal europ�en" in paris. Mit einem therapeuten von dort arbeite ich nun seit sieben jahren hier in berlin zusammen. Die erfahrung in paris war katastrophal. Ich m�chte hier nicht ausf�hrlich werden, aber ich kann Ihre janov-begeisterung nicht wirklich teilen, weil ich viel zu viel eklatante mi�erfolge mit eigenen augen aus allern�chster n�he janovs gesehen habe. Die arbeit mit dem von janov in LA ausgebildeten therapeuten verl�uft aber gut (soweit man das angesichts der seelischen katastrophe �berhaupt sagen kann - insofern haben mich einige passagen aus Ihrem oben genannten text ber�hrt - "Darf es noch ein Trauma sein?... �berw�ltigende Todesgef�hle..."). Ich wei� aber nicht, ob das "echte" und "richtige Prim�rtherapie" ist und ich Sie also "eines Besseren belehren" kann.

Ehrlich gesagt m�chte ich auch gar keine "Prim�rtherapie" machen bzw. ist mir das egal. Ich will nur meine wahrheit, mehr nicht. Als ich nach der v�llig verkorksten erfahrung in paris mit jenem von janov ausgebildeten therapeuten in berlin ein gespr�ch f�hrte, in dem ich herausfinden wollte, ob es f�r mich sinn macht, weiter mit ihm zu arbeiten, sagte er: eigentlich m��te es "wahrheitstherapie" hei�en. Damit war ich zufrieden, und - wie gesagt - die arbeit mit ihm verl�uft eigentlich zufriedenstellend. (Inzwischen habe ich auch meine eigene theorie zu papier gebracht zu dieser ganzen problematik und werde sie demn�chst als buch herausbringen. Ich spreche heute �berhaupt nicht mehr von "therapie", sondern nur noch von wahrheit.)

Ich hoffe, ich habe Sie jetzt nicht entt�uscht von janov, aber ich wollte Ihnen nur kurz meine erfahrung mitteilen, da Sie Ihre seiten-besucher regelrecht dazu auffordern. Ich sch�tze janov nat�rlich sehr, aber seine praxis, sein institut in paris, das war f�r mich nicht anderes als ein flie�band - ein sehr teures.

Mit freundlichen gr��en und nochmals der mitteilung, da� ich Ihre seite sehr gut finde
peter t�.